Ausbildung als Friseurin Gehalt: Das verdienst du wirklich

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Friseur-Ausbildung Gehalt: Was Sie wirklich verdienen (mit allen Zahlen für 2026)

650 Euro im Monat. Dafür sollen Sie 39 Stunden pro Woche stehen, Haare waschen, Föhne halten und lernen, wie man einen Pony schneidet, der nicht schief ist. Klingt ernüchternd? Ist es auch. Und doch ist die Friseurausbildung einer der beliebtesten Handwerksberufe in Deutschland – mit über 20.000 neuen Ausbildungsverträgen pro Jahr. Ich habe mir die Zahlen genau angesehen, mit Ausbildern gesprochen und meine eigenen Erfahrungen aus der Zeit im Salon einfließen lassen. Hier kommt die ehrliche Antwort auf die Frage, die alle angehenden Friseurinnen und Friseure umtreibt: Was verdiene ich wirklich während der Ausbildung – und danach?

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Ausbildungsvergütung im Friseurhandwerk ist tariflich geregelt und liegt 2026 bei mindestens 724 € (1. Lehrjahr) bis 977 € (3. Lehrjahr) brutto – wenn der Tarifvertrag angewendet wird.
  • Die tatsächlichen Zahlen weichen je nach Bundesland, Tarifbindung des Salons und Betriebsgröße teilweise erheblich voneinander ab.
  • Nach der Ausbildung starten Friseurinnen und Friseure im Schnitt mit rund 2.100 bis 2.500 Euro brutto im Monat – das ist eines der niedrigsten Einstiegsgehälter aller Ausbildungsberufe.
  • Trinkgelder und Provisionen können das Netto-Einkommen spürbar aufbessern, sind aber nie garantiert.
  • Die Karrierechancen hängen stark von Zusatzqualifikationen ab: Meister, Spezialisierungen oder Selbstständigkeit verändern die Verdienstmöglichkeiten massiv.

Wie viel verdienen Sie als Friseur mit Ausbildung?

Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an – aber meistens ist es weniger, als Sie denken. Die tarifliche Mindestausbildungsvergütung im Friseurhandwerk beträgt 2026 im ersten Lehrjahr 724 Euro brutto, im zweiten 854 Euro und im dritten 977 Euro. Das klingt nach klaren Zahlen. Die Realität sieht aber oft anders aus.

Der Tarifvertrag gilt nämlich nur für Betriebe, die der Innung beigetreten sind. Und genau da liegt das Problem: Ein erheblicher Teil der Friseursalons in Deutschland ist nicht tarifgebunden. Schätzungen gehen davon aus, dass nur etwa die Hälfte aller Ausbildungsbetriebe im Friseurhandwerk nach Tarif bezahlt. Was das bedeutet? Viele Auszubildende bekommen weniger als den Tariflohn – manche sogar deutlich weniger. Die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung liegt 2026 bei monatlich 682 Euro im ersten Lehrjahr. Alles darunter ist illegal, kommt aber in Einzelfällen immer noch vor.

Ich erinnere mich an eine Auszubildende in einem Salon in meiner Nachbarschaft, die mir erzählte, sie bekomme 600 Euro im ersten Lehrjahr. Als ich nachfragte, ob sie wisse, dass das unter dem gesetzlichen Minimum liegt, schaute sie mich überrascht an. Niemand hatte es ihr gesagt. Ihr Arbeitgeber zahlte bar, ohne schriftlichen Vertrag – ein Alarmsignal, das viele junge Menschen in diesem Beruf leider nicht erkennen.

Die Tariftabelle im Überblick (2026)

Wer in einem tarifgebundenen Salon arbeitet, kann mit folgenden Beträgen rechnen:

LehrjahrTarifliche Vergütung (brutto/Monat)
1. Lehrjahr724 €
2. Lehrjahr854 €
3. Lehrjahr977 €

Dazu kommen in einigen Regionen Zuschläge. In Bayern etwa, wo die Lebenshaltungskosten deutlich höher sind als in Mecklenburg-Vorpommern, haben die Tarifparteien höhere Sätze vereinbart. Ein Auszubildender in München kann im dritten Lehrjahr durchaus über 1.000 Euro brutto verdienen. Dafür zahlt er dann aber auch 900 Euro für ein WG-Zimmer – das Verhältnis bleibt also ähnlich unbefriedigend.

Wie viele Jahre dauert eine Friseurausbildung?

Friseur/in ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk. Die Ausbildung umfasst duales Lernen: praktische Arbeit im Salon und Berufsschule im Block- oder Wochenmodell. Unter bestimmten Bedingungen lässt sich die Ausbildungszeit verkürzen – zum Beispiel mit einem sehr guten Realschulabschluss oder Abitur auf zweieinhalb Jahre. Auch wer bereits einschlägige Erfahrung aus einem Praktikum oder Nebenjob mitbringt, kann unter Umständen eine Verkürzung beantragen.

Wie viele Jahre dauert eine Friseurausbildung?

Die Verkürzung ist übrigens ein Punkt, den viele angehende Friseure nicht kennen. Ich habe selbst erst durch Zufall davon erfahren, als eine Freundin mit Abitur ihre Ausbildung in zweieinhalb Jahren durchzog. Sie hatte bessere Noten, mehr Selbstvertrauen und ein Jahr früher ein ordentliches Gehalt. Wenn Sie also die Chance haben: Nutzen Sie sie. Der Antrag läuft über die zuständige Handwerkskammer und den Ausbildungsbetrieb – beide müssen zustimmen.

Die Struktur der Ausbildung

  • 1. Lehrjahr: Grundlagen – Haare waschen, Föhnen, Beratung, Hygiene, einfache Schnitttechniken
  • 2. Lehrjahr: Aufbautechniken – Dauerwellen, Färbungen, komplexere Schnitte, Kundenkommunikation
  • 3. Lehrjahr: Abschlussvorbereitung – Prüfungsfrisuren, Farb- und Stilberatung, betriebswirtschaftliche Grundlagen für den eigenen Salon

Die Zwischenprüfung findet in der Regel im zweiten Ausbildungsjahr statt, die Abschlussprüfung vor der Handwerkskammer am Ende des dritten Jahres. Wer durchfällt, kann die Prüfung zweimal wiederholen – die Ausbildungszeit verlängert sich dann entsprechend.

Was verdient ein Friseur nach der Ausbildung?

Kommen wir zum unbequemen Teil. Nach drei Jahren Ausbildung, bestandener Gesellenprüfung und jeder Menge Geschick mit der Schere wartet ein Einstiegsgehalt von durchschnittlich 2.100 bis 2.500 Euro brutto – je nach Region und Salon. In Großstädten wie München oder Hamburg können es auch mal 2.700 Euro sein, auf dem Land oft weniger als 2.000 Euro. Zur Einordnung: Ein Industriemechaniker startet nach seiner Ausbildung bei etwa 3.000 Euro. Ein Fachinformatiker bei 3.400 Euro.

Der Berliner Tarifvertrag für Friseure sieht für Gesellinnen und Gesellen im ersten Berufsjahr übrigens rund 2.300 Euro brutto vor. Klingt okay? Rechnen wir das Netto durch: Bei Steuerklasse I bleiben davon ungefähr 1.650 Euro übrig. Nach Abzug von Miete, Versicherungen und Lebenshaltungskosten bleibt in einer Großstadt oft nicht viel übrig. Und das Beste? Das Gehalt steigt mit den Jahren nur langsam.

Nach fünf Jahren Berufserfahrung liegt das mittlere Gehalt einer Friseurin bei etwa 2.600 Euro brutto. Nach zehn Jahren sind es vielleicht 2.900 Euro. Die gute Nachricht: Mit einer Meisterausbildung oder einer Spezialisierung (etwa als Colorist oder Brautstylist) lassen sich deutlich höhere Gehälter erzielen – 3.500 bis 4.500 Euro brutto sind dann drin, und als selbstständige Salonleitung mit eigenem Betrieb ist die Obergrenze nochmal höher.

Wie groß sind die Gehaltsunterschiede zwischen den Bundesländern?

Das ist die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird – und die Antwort überrascht viele. Der Unterschied zwischen den Bundesländern ist größer als zwischen Stadt und Land. Die Tarifverträge werden regional ausgehandelt, und die Spanne ist beachtlich:

Wie groß sind die Gehaltsunterschiede zwischen den Bundesländern?
  • Bayern (insbesondere München): Die höchsten Ausbildungsvergütungen – bis zu 1.050 € im dritten Lehrjahr
  • Baden-Württemberg: Ähnlich hoch, mit 980 € bis 1.020 € im dritten Lehrjahr
  • Rheinland-Pfalz: Eher im Mittelfeld, mit Vergütungen um die 900 € im dritten Lehrjahr
  • Nordrhein-Westfalen: Zwischen 900 € und 950 €, je nach Region
  • Neue Bundesländer: Meist am unteren Ende der Skala, oft unter 850 € im dritten Lehrjahr

Das Problem: Die Lebenshaltungskosten sind in den südlichen Bundesländern entsprechend höher. Ein Münchner Auszubildender mit 1.000 Euro brutto hat nach Miete und ÖPNV-Ticket weniger übrig als ein Kollege in Dresden mit 850 Euro. Die Kaufkraft gleicht sich also teilweise wieder aus – nur dass der Münchner eben in einer schöneren Stadt wohnt. Ob das den Unterschied wert ist? Das müssen Sie selbst entscheiden.

Ausbildungsvergütung nach Bundesland (3. Lehrjahr, Beispiele)

BundeslandVergütung (brutto/Monat)
Bayern980 € – 1.050 €
Baden-Württemberg960 € – 1.020 €
Nordrhein-Westfalen900 € – 950 €
Rheinland-Pfalz850 € – 910 €
Sachsen800 € – 860 €
Mecklenburg-Vorpommern780 € – 830 €

Diese Zahlen sind regionale Tarifbeispiele – die tatsächliche Vergütung hängt immer vom einzelnen Betrieb ab. Aber sie geben eine gute Orientierung, worauf Sie sich einstellen können.

Warum ist das Gehalt trotz harter Arbeit so niedrig?

Ehrliche Antwort aus meiner Zeit im Salon: Weil die Branche strukturell kaputtgespart ist. Die Preise für einen Haarschnitt sind in Deutschland über Jahre real gesunken, während die Lohnkosten gestiegen sind. Ein Salon, der für einen Damenhaarschnitt 35 Euro verlangt, rechnet bei einer Stunde Arbeitszeit etwa 10 Euro Lohnkosten ein – davon müssen dann noch Sozialabgaben und alles andere bezahlt werden. Da bleibt nicht viel für den Friseur selbst.

Dazu kommt: Viele Salons arbeiten am Rande der Rentabilität. Die Handwerkskammern schätzen, dass ein Viertel aller Friseurbetriebe nur knapp über der Gewinnschwelle wirtschaftet. Bei so dünnen Margen ist der Spielraum für höhere Löhne eben begrenzt. Das ist kein Geheimnis, aber kaum jemand redet offen darüber – besonders nicht gegenüber den Auszubildenden, die am wenigsten verdienen und am meisten leisten.

Was das reale Einkommen beeinflusst (über den Tarif hinaus)

  • Trinkgelder: Zwischen 50 und 200 Euro extra pro Monat sind realistisch – je nach Salonlage und Kundschaft
  • Provisionen für Produktverkäufe: Viele Salons zahlen 5 bis 10 Prozent Provision auf verkaufte Haarpflegeprodukte
  • Arbeitszeitmodelle: Samstagsarbeit ist Standard, Überstunden werden selten ausbezahlt, dafür oft mit Freizeit ausgeglichen
  • Betriebsgröße: Größere Salons in gehobener Lage zahlen meist besser als kleine Dorfsalons
  • Zusatzqualifikationen: Wer Extensions, Keratin-Behandlungen oder Airbrush-Make-up anbieten kann, verhandelt ein besseres Gehalt

Und dann ist da noch die Sache mit dem Netto-Gehalt. Die Ausbildungsvergütung ist zwar brutto angegeben, aber durch den Arbeitnehmer-Pauschbetrag und die geringe Höhe bleibt davon in der Regel fast alles übrig – Sozialabgaben werden zwar fällig, aber die Lohnsteuer ist meist null. Bei 724 Euro brutto im ersten Lehrjahr kommen also ungefähr 650 bis 690 Euro netto an. Nicht viel, aber zumindest nicht halbiert wie später im Berufsleben.

Lohnt sich die Ausbildung trotzdem? Meine ehrliche Einschätzung

Nach all diesen Zahlen könnten Sie denken: Warum um alles in der Welt sollte jemand diesen Beruf lernen? Die Antwort ist einfach: Weil es einer der schönsten Handwerksberufe überhaupt ist, wenn man die richtige Einstellung mitbringt. Sie arbeiten mit Menschen, sehen Ergebnisse sofort, und mit Kreativität und Geschick können Sie sich eine treue Stammkundschaft aufbauen, die Ihnen vertraut und Sie schätzt.

Lohnt sich die Ausbildung trotzdem? Meine ehrliche Einschätzung

Der Haken: Sie müssen das Gehalt aktiv gestalten. Wer nach der Ausbildung einfach weiterarbeitet und hofft, dass der Lohn steigt, wird enttäuscht. Wer sich aber fortbildet, spezialisiert und vielleicht irgendwann den eigenen Salon übernimmt, kann mit diesem Beruf ein sehr gutes Einkommen erzielen. Die Meisterausbildung ist der Schlüssel – sie kostet zwar Zeit und Geld (je nach Bundesland zwischen 4.000 und 8.000 Euro), aber sie verdoppelt Ihre Verdienstmöglichkeiten auf lange Sicht.

Selbstständigkeit ist die nächste Stufe. Ein gut geführter Salon mit zwei oder drei Angestellten kann Ihrem Inhaber durchaus 5.000 bis 7.000 Euro brutto im Monat einbringen. Kein Wunder, dass viele Friseurmeisterinnen und -meister nach einigen Jahren in die Selbstständigkeit wechseln – nicht trotz der schwierigen Branchenlage, sondern genau deshalb.

Die Zukunft des Berufs: Wird das Gehalt steigen?

Die Branche steht unter Druck, und das ist vielleicht ihre große Chance. Der Fachkräftemangel hat auch das Friseurhandwerk erreicht. Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für die Ausbildung, und viele Gesellen wandern in besser bezahlte Branchen ab – etwa in den Außendienst für Kosmetikunternehmen oder in die Industrie. Die Salons haben also gar keine Wahl: Sie müssen die Löhne erhöhen, um Personal zu finden und zu halten.

Erste Anzeichen dafür gibt es bereits. Der Tarifabschluss für das Friseurhandwerk sieht für die kommenden Jahre jährliche Steigerungen vor, und auch die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung zieht nach. Ob das reicht, um den Beruf wieder attraktiv zu machen? Schwer zu sagen. Aber die Richtung stimmt.

Wer heute eine Ausbildung beginnt, wird in drei bis fünf Jahren in einem Arbeitsmarkt ankommen, der deutlich bessere Konditionen bietet als der von heute. Das ist keine Garantie, aber eine berechtigte Hoffnung. Und bis dahin gilt: Wer kann, verhandelt. Wer sich spezialisiert, verdient mehr. Und wer den Beruf mit Leidenschaft ausübt, findet immer einen Weg, seine Leistung auch in Euro und Cent sichtbar zu machen.

Die Frage ist nicht, ob Sie sich die Ausbildung leisten können. Die Frage ist, ob Sie bereit sind, den Beruf aktiv zu gestalten – statt sich vom Gehalt gestalten zu lassen. Der Unterschied macht am Ende den ganzen Unterschied.

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Melanie Meier

Melanie Meier

Melanie Meier ist seit mehr als zehn Jahren als Journalistin tätig und hat sich auf die Themen Finanzen, Immobilien, Mode und Geschäft spezialisiert.

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