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Was ist homosexuell? Bedeutung, Herkunft und Fakten einfach erklärt

les amoureux

Meine erste Reaktion, als ich vor ein paar Jahren gefragt wurde, ob ich „das mal erklären“ könne: Ich hatte keine Ahnung, wo ich anfangen sollte. Nicht, weil ich das Thema nicht kannte. Sondern weil „homosexuell“ ein Wort ist, das jeder benutzt und kaum einer genau definiert.

Und genau da liegt das Problem. Wer homosexuell googelt, will meistens keine Vokabelliste. Der will wissen: Was heißt das eigentlich – und wann trifft es auf mich zu?

Wichtige Erkenntnisse

  • Homosexualität beschreibt die Anziehung zu Menschen des eigenen Geschlechts – Anziehung, nicht nur Verhalten.
  • Das Wort ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts, geprägt 1869 von Karl-Maria Kertbeny.
  • Es gibt keinen festen Zeitpunkt, ab dem man „homosexuell ist“.
  • Anziehung, Verhalten und Identität sind drei verschiedene Dinge, die oft durcheinandergeworfen werden.
  • Die Wissenschaft geht heute von einer Veranlagung aus, nicht von einem freien Wunsch.
  • Niemand weiß genau, wie viele Menschen homosexuell sind – das hängt stark davon ab, wie man fragt.

Was „homosexuell“ bedeutet – und was nicht

Homosexualität bedeutet, dass ein Mann einen Mann liebt oder eine Frau eine Frau. So einfach ist der Kernsatz. Das Gegenteil ist die Heterosexualität, bei der sich eine Frau und ein Mann zueinander hingezogen fühlen.

Das Wort selbst setzt sich zusammen aus dem griechischen „homo“, was „gleich“ oder „gleichartig“ heißt, und dem lateinischen „Sexualität“, das vom Wort für „Geschlecht“ stammt. Ein homosexueller Mensch liebt also das gleiche Geschlecht. Sprachlich ein Mischmasch aus zwei Sprachen – funktioniert aber seit über 150 Jahren.

Schwul, lesbisch, homosexuell – wo ist der Unterschied?

Männer, die sich zu Männern hingezogen fühlen, nennt man Schwule. Frauen, die sich zu Frauen hingezogen fühlen, heißen Lesben. „Homosexuell“ ist der Sammelbegriff für beides.

Der Unterschied ist nicht nur Geschmackssache. „Homosexuell“ klingt in vielen Ohren klinisch, fast wie ein Befund aus einer Akte. Deshalb sagen die meisten lieber „schwul“ oder „lesbisch“, wenn sie über sich selbst reden. Ich habe das lange unterschätzt: Als ich zum ersten Mal für einen Text die Begriffe austauschte, kam sofort die Rückmeldung, „homosexuell“ fühle sich im Fließtext wie ein Arztbericht an. Seitdem nutze ich es nur, wenn es begrifflich wirklich um die Orientierung als Kategorie geht.

Bisexuell: die häufig vergessene dritte Kategorie

Wer sich mal so, mal so verhält, ist bisexuell. Das wird in vielen Definitionen als Randnotiz abgehandelt, obwohl es für die Frage „was ist homosexuell“ zentral ist: Die Anziehung ist nicht bei allen Menschen auf ein Geschlecht festgelegt.

Kurz gesagt: Homosexualität ist keine Schublade mit einem Deckel, sondern ein Punkt auf einem Spektrum.

Wann ist man homosexuell?

Die ehrliche Antwort: Es gibt keinen Stichtag. Kein Alter, kein Ereignis, keine Prüfung, die man besteht. Und trotzdem ist das die Frage, die am häufigsten gestellt wird – verständlicherweise, denn jeder sucht nach einem Anker.

Wann ist man homosexuell?
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Die Quelle, die ich für diesen Text herangezogen habe, formuliert es so: Nur weil ein Mann einmal daran denkt, sich vielleicht auch einmal mit einem Mann einzulassen, ist er noch nicht homosexuell. Das ist ein wichtiger Satz. Er trennt zwei Dinge, die ständig vermischt werden.

Anziehung, Verhalten, Identität – drei verschiedene Ebenen

Wer sich Gedanken macht, ob er oder sie homosexuell ist, verwechselt meistens drei Dinge:

  • Die Anziehung: Wen finde ich attraktiv? Das passiert oft lange, bevor man ein Wort dafür hat.
  • Das Verhalten: Mit wem habe ich tatsächlich etwas? Das kann davon abweichen – aus Neugier, aus Zufall, aus welchen Gründen auch immer.
  • Die Identität: Wie nenne ich mich selbst? Das ist eine bewusste Entscheidung, die manche früh treffen, manche spät, manche nie.

Diese drei müssen nicht übereinstimmen. Jemand kann Erfahrungen mit dem eigenen Geschlecht machen und sich trotzdem nicht als homosexuell bezeichnen. Jemand kann sich nie verlieben und trotzdem wissen, dass es so wäre. Und jemand kann sich mit 14 sicher sein, während die nächste Person erst mit 40 dazu kommt.

Ich habe in Gesprächen immer wieder gehört: „Aber irgendwann muss man es doch wissen.“ Nein. Muss man nicht. Diese Erwartung an einen Zeitpunkt erzeugt mehr Druck, als jede Definition je lösen könnte.

Was die Forschung über Ursachen sagt

Heute geht man in der Wissenschaft davon aus, dass dies kein freier Wunsch ist, sondern eine Veranlagung. Niemand entscheidet sich dafür oder dagegen.

Was genau dabei zusammenspielt, ist nicht abschließend geklärt. Es werden verschiedene Faktoren diskutiert – biologische, genetische, Einflüsse während der Entwicklung. Wer eine einfache Formel erwartet („Gen X macht homosexuell“), wird enttäuscht. So funktioniert die Forschung zu diesem Thema schlicht nicht.

Was ich für wichtiger halte als die genaue Ursache: Die Frage nach dem „Warum“ wird fast nur bei Homosexualität gestellt, selten bei Heterosexualität. Das verrät mehr über die Fragenden als über die Antwort.

Wie viele Menschen sind homosexuell?

Niemand weiß es genau. Und das ist keine Ausrede, sondern das Ergebnis davon, wie solche Zahlen entstehen.

Wie viele Menschen sind homosexuell?
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Es kommt stark darauf an, wie man fragt. Fragst du nach Verhalten, bekommst du eine Zahl. Fragst du nach Anziehung, eine andere. Fragst du nach Selbstbezeichnung, wieder eine andere. Dieselbe Person kann in allen drei Erhebungen unterschiedlich auftauchen.

In Untersuchungen kommt man zu dem Ergebnis, dass Homosexualität vielleicht fünf von hundert Menschen betrifft – je nachdem, wie die Frage formuliert ist und in welchem Land gefragt wird. Das ist keine feste Größe, sondern eine Bandbreite.

Was gefragt wird Was gemessen wird Typisches Ergebnis
Verhalten Mit wem hatte jemand Kontakt Niedriger Wert
Anziehung Wen findet jemand attraktiv Höherer Wert
Identität Wie nennt sich jemand selbst Am niedrigsten

Bemerkenswert: In Ländern mit stärkerer gesellschaftlicher Akzeptanz geben mehr Menschen eine homosexuelle Identität an. Nicht, weil es dort mehr homosexuelle Menschen gibt, sondern weil weniger Grund besteht, es zu verschweigen.

Häufige Fragen zu Homosexualität

Es gibt ein paar Fragen, die in fast jedem Gespräch auftauchen. Ich gehe die ehrlich durch.

Ist Homosexualität angeboren?

Die aktuelle Forschung geht von einer Veranlagung aus, nicht von einer Wahl. Das heißt: Man sucht sich das nicht aus. Es heißt aber nicht, dass es nur einen einzigen Auslöser gibt. Die Entstehung ist komplex, und das ist kein Zeichen von Unsicherheit der Wissenschaft, sondern die ehrliche Beschreibung eines komplizierten Vorgangs.

Kann man das ändern?

Nein. Die Vorstellung, man könne die sexuelle Orientierung „heilen“, ist wissenschaftlich nicht haltbar und wurde in Deutschland auch rechtlich eingeordnet – Angebote, die genau das versprechen, sind bei Minderjährigen verboten. Was ich dazu aus meiner eigenen Recherchezeit sagen kann: Die einzige Sache, die solche Ansätze zuverlässig verändern, ist die psychische Gesundheit der Betroffenen, und zwar zum Schlechteren.

Ist homosexuell dasselbe wie Trans?

Nein, und die Verwechslung nervt beide Gruppen gleichermaßen. Homosexualität beschreibt, wen man liebt. Trans beschreibt, als wer man sich selbst versteht. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Warum das Wort selbst eine Geschichte hat

„Homosexuell“ ist keine uralte Bezeichnung, die schon immer da war. Sie wurde 1869 von Karl-Maria Kertbeny geprägt – ein Autor, der für die Abschaffung eines Strafrechtsparagrafen argumentierte. Das Wort war also von Anfang an ein politisches Werkzeug, kein neutrales Etikett.

Das erklärt, warum es bis heute schwierig ist. Es wurde für eine juristische Debatte gebaut, nicht für Menschen, die sich selbst beschreiben wollen. Deshalb greifen viele lieber zu „schwul“, „lesbisch“ oder anderen Ausdrücken.

Und es erklärt auch, warum Anziehung zwischen Menschen des gleichen Geschlechts viel älter ist als das Wort dafür. Liebe zwischen zwei Männern oder zwei Frauen existiert in allen Gesellschaften und Epochen – nur die Bezeichnung und die Bewertung haben sich geändert.

Was für mich nach all den Jahren und Texten hängen geblieben ist: Die beste Antwort auf „was ist homosexuell“ ist keine Definition. Sondern die Erkenntnis, dass die Frage nach dem Zeitpunkt – „wann ist man das?“ – eigentlich eine Frage nach Sicherheit ist. Und die kann einem keine Vokabel liefern. Nur man selbst, im eigenen Tempo.

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Stefan Koch

Stefan Koch

Stefan Koch ist seit über fünfzehn Jahren als Journalist tätig. Seine Berichterstattung konzentriert sich auf die Themenfelder Finanzen und Immobilien, Frauen und Mode sowie Wirtschaft.

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